Die Gemeindewerke Oberstdorf befassten sich erstmals 1996 mit der Frage des Ausbaus der damals schon 68 Jahre alten Anlage, die ja 1928 sozusagen als „Abfallprodukt“ der Trinkwasserversorgung entstanden war. Es wurden zwar Gutachten erstellt, insgesamt wurde das Projekt jedoch nicht intensiv weiterverfolgt.
Erst im Jahr 2003 beschloß der Aufsichtsrat der in 2000 gegründeten Energieversorgung Oberstdorf GmbH, auf die die Stromsparte der Gemeindewerke Oberstdorf 2001 ausgegliedert worden war, die Wiederaufnahme der Planungen. In 2004 wurde die Genehmigungsplanung beim Landratsamt Oberallgäu in Sonthofen eingereicht.
Im weiteren Verlauf wurden alle geforderten Gutachten, wie z.B. auch eine limnologische Untersuchung, nachgereicht. Auf der Zielgeraden wurde 2007 beim Markt Oberstdorf ein Bürgerbegehren gegen den Kraftwerksbau eingereicht. Beim Bürgerentscheid im April 2008 wurde zwar das nötige Quorum verfehlt, die abgegebenen Stimmen sprachen sich jedoch mehrheitlich für das Projekt aus. Der Marktgemeinderat hat dann noch im April 2008 den Bau beschlossen.
Im Februar 2009 wurde die wasserrechtliche Genehmigung erteilt. Ende Oktober 2009 bis Dezember 2009 wurde die Baustraße errichtet, anschließend war bis Mai 2010 Winterpause. Im Juni 2010 ereigneten sich mit Beginn der eigentlichen Baumaßnahme mehrere Hangrutsche im Tobelbereich. Bis zu deren planungsrechtlichen Aufarbeitung durften die Baumaßnahmen nur vom Waldrand bis ins Tal (Druckrohrleitung) einschließlich Turbinenhaus ausgeführt werden, nicht jedoch im Tobel selbst. Die Freigabe für diesen Bereich kam im Oktober 2010, die Arbeiten konnten jedoch vor der Winterpause (bis März 2011) nicht mehr in Angriff genommen werden. Die Druckrohrleitung im Tobelbereich und das Fassungsbauwerk wurden schließlich von April 2011 bis Juli 2011 erstellt. In der 28. Kalenderwoche 2011 wurde der Testbetrieb aufgenommen.
Zuvor war im Juli 2010 die Kraftwerk Faltenbach GmbH & Co KG gegründet worden, an der der Verein der ehemaligen Rechtler 50 % und die Energieversorgung Oberstdorf GmbH 50 % halten, und auf die die gesamte Baumaßnahme übertragen wurde. Die Betriebsführung der Anlage obliegt der Energieversorgung Oberstdorf GmbH.
Neu errichtet wurde ein sogenanntes Tiroler Wehr als Fassungsbauwerk im Bereich der Faltenbachquellen. Das Wasser gelangt von dort über eine Druckrohrleitung mit 600 mm Durchmesser, die im Tobel unter dem Weg und ab dem Waldrand unter den Wiesen verlegt ist, zum Turbinenhaus östlich der Mühlenbrücke, wo es in einer 4 strahligen Peltonturbine mit maximal 1,6 MW Leistung abgearbeitet wird. Die durchschnittliche Jahreserzeugung soll 4 Mio kWh betragen.
Die gesamte Baumaßnahme wird landschaftspflegerisch und ökologisch begleitet. Nach Umsetzung aller Renaturierungsmaßnahmen wird in einigen Jahren von der Baumaßnahme nur noch wenig zu erkennen sein. Die Restwassermenge ist durch behördlichen Bescheid festgelegt und wird eingehalten.

Kraftwerk Faltenbach
Das Kraftwerk Faltenbach wurde am 28.10.2011 eingeweiht.
